Auf der Suche nach der optimalen Haltungsform für Pferde, habe ich den Paddock-Trail in Vogelsang bei Magdeburg kennen gelernt. Offenstallkonzepte gibt es viele und ihr kennt sicher alle die ein oder andere Variante. Die einen sind begeistert, die anderen eher weniger. Gerade Sportpferdebesitzer lassen sich selten überzeugen, denn sie assoziieren – nicht immer zu unrecht – Offenstall mit Matsch, Mauke und ausschließlicher Heufütterung.
Dass es auch anders geht, zeigt der Paddock-Trail in Vogelsang. Doch dazu gleich mehr. Erstmal möchte ich euch zeigen, wer die Idee des Paddock-Trails ins Leben gerufen hat.

Jamie Jackson – Ideengeber des Paddock-Trails

Jamie Jackson ist Hufschmied in Amerika und interessierte sich für die Verhaltensweisen der Wildpferde. Genau wie Monty Roberts begab er sich auf die Spuren der Wildpferde in Nevada. Dabei konnte er beobachten, dass sie immer gleiche Pfade auf ihren Futterrouten ablaufen und dabei auch immer wieder bekannte Futterstationen nutzen. Ebenso die Reise zur Wasserquelle. Die Pferde sind also immer in Bewegung, um sich mit Wasser und Nahrung zu versorgen. Am Tag bewegen sich Pferde ca. 16 Stunden langsam grasend im Schritt vorwärts.
Jamie ist der Auffassung, dass unsere domestizierten Boxenpferde

in Einzelhaft faul, neurotisch und schwach

werden. Denn die viele Bewegung, die sie sich in der Wildnis verschaffen, sorgt auch für stabile Knochen, Gelenke und Sehnen. Auch das Immunsystem ist viel stärker, als bei Pferden, die vor Wind und Wetter geschützt, fern aller äußeren Einflüsse gehalten werden. Beste Voraussetzungen für Lahmheiten und Atemwegserkrankungen. Der Paddock-Trail bietet viele Bewegungsanreize für die Pferde. Knochen und Gelenke sind gut geschmiert und somit jederzeit einsatzbereit. (Buchtipp: Paddock Paradise: A Guide to Natural Horse Boarding* von Jamie Jackson)

Der Paddock-Trail in Vogelsang

GPS Daten Paddock Trail

GPS-Daten: 15km in 30 Stunden

In Vogelsang bei Magdeburg haben Annette Strobach und Andreas Nickel ein kleines Paradies für Pferde geschaffen. Der Paddock-Trail „Alte Mühle“ bietet alles, was das Pferdeherz begehrt. Auf 3,5 ha befindet sich ein Pfad mit einer Länge von 1,5 km. Entlang des Pfades befindet sich ein großer Unterstand, acht Heuraufen, eine Wasserstelle, verschiedene Sand-Wälzplätze und Baumgruppen, die ausreichend Schatten bieten. Auf der täglichen Wanderung zwischen den einzelnen Stationen legen die Pferde laut eigenen GPS-Messungen in 30 Stunden bis zu 15 km zurück.

Das Management ist das A und O

Paddock Trail Sand und BäumeDamit sich Pferd und Pferdebesitzer auch wirklich wohl fühlen, sind einige Aspekte unerlässlich. Um die Heuraufen und die Wasserstelle ist der Boden in Vogelsang mit Paddockplatten befestigt, damit sich hier keine Schlammlöcher bilden können. Auch die Wege sind so angelegt, dass Wasser gut abfließen kann und die Pferde nicht im Matsch versinken. In Vogelsang steht den Pferden das Heu ad libitum, also immer, in Heunetzen zur Verfügung. Zusätzlich wird eine individuelle Fütterung morgens und abends angeboten. Egal ob Hafer, Mineralfutter, eine Kräutermischung oder die Rübenschnitzel, jedes Pferd bekommt, was es braucht.

Herdenmanagement

Unterstand Paddock-TrailWas nicht zu unterschätzen ist, ist das Zusammenpassen der Herde. Wenn sich eine Herde neu finden muss, ist es ganz normal, dass es zu Rangeleien und sicher auch mal zu kleineren Verletzungen kommt. Allerdings sollte sich die Rangfolge nach einiger Zeit geklärt haben und Ruhe einkehren. Ist dies nicht so und die Herde findet langfristig keine Ruhe, muss die Zusammensetzung überdacht werden, denn Unruhe in der Herde bedeutet Stress für jedes Pferd und Verletzungen, die nicht sein müssen. Schließlich ist die Haltung dafür gedacht, die Pferde fit und gesund, artgerecht zu halten.

Für Reitpferde ideal

Woopy Reitpferd Paddock TrailAls Reiter und Pferdebesitzer profitiere ich hier davon, dass mein Pferd ausreichend Bewegung hat, aber auch Ruhe findet. Die Haltung wirkt sich auch deutlich positiv auf das Pferd als Reitpferd aus. Durch die vielen Bewegungsanreize und das ausgeprägte Sozialverhalten ist es ausgeglichen. Knochen, Gelenke und Sehnen sind gut „geölt“ und einsatzbereit. Dabei ist eine funktionierende Herde aber Voraussetzung. Bei zu viel Stress durch Unruhen in der Herde ist mein Pferd natürlich auch angespannt und nicht ausgeglichen. Verletzungen können im schlimmsten Falle dazu führen, dass ich mein Pferd nicht reiten kann, der Tierarzt konsultiert werden muss oder gar langwierige Folgen eintreten. Dies ist immer ein Risiko, wenn Pferde in Gruppen zusammenkommen.

Mehrere Gruppen

Am besten ist es natürlich, wenn es die Möglichkeit gibt, verschiedene Herden zu bilden. So hat man Ausweichmöglichkeiten und bessere Chancen wirklich jedes Pferd passend einzugliedern. Die Eingliederung neuer Pferde ist dann einfach unproblematischer. So schwer es auch fällt, sollte sich ein Pferd einfach nicht eingliedern lassen, weil es die Herdenruhe immer wieder stört, dann kann dieses Pferd nicht weiter in der Gruppe bleiben.

Einfach und überall umzusetzen

Die naturnahe Haltung im Stil eines Paddock-Trails kann mit einfachen Mitteln umgesetzt werden. Trotzdem muss auch hier das Management, sowohl der Versorgung, als auch der Herde an sich, funktionieren und zuverlässig sein. Nur dann kann das Konzept für alle Pferde, egal ob Rentner, Freizeitpferd oder Sportpferd die richtige Haltung sein. Verhaltensstörungen wird vorgebeugt, die Gesundheit des Pferdes im Ganzen gefördert.

„Wir haben hier Pferde mit Vorgeschichten, wie Arthrose oder Rehe und auch Sportpferde eingestellt. Die viele Bewegung tut ihnen allen enorm gut. Auch Verhaltensstörungen sind kein Thema mehr.“ (Annette Strohbach)

Padock-Trail WegeIch hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in die Paddock-Trail-Haltung mit all den Vorteilen etwas näher bringen. Vielleicht hat der ein oder andere auch Lust einmal darüber nachzudenken, die Koppelflächen etwas umzubauen und ruck zuck einen Trail daraus zu machen. Ein Besuch in Vogelsang lohnt sich allemal, um sich ein Vorzeigebeispiel anzuschauen.

Eure

Pferdesachen-Blog Mareen