Am 14. September 2016 fand in Magdeburg das Mercedes Benz Reiter Forum statt. Organisator – wie eh und je – Frank Henning, brachte dieses Mal Dressur-Ikone Uta Gräf und Springtrainer Heinrich-Wilhelm Johannsmann mit aufs Podium. Frank Henning eröffnete die Veranstaltung mit folgenden Worten:

Pferde werden morgens nicht wach und denken „Prima, heute trabe ich mit Kadenz“. Pferde werden morgens wach und denken „kalt, warm, Hunger, wach.“

Um ein Pferd für die Arbeit zu motivieren, müsst ihr Vertrauen aufbauen und Wege finden, euer Pferd stetig zu fördern und zu motivieren. In diesem Beitrag möchte ich euch über den Vortrag beim Reiter Forum „Feines Reiten auf motivierten Pferden“ von Uta Gräf berichten.

Uta Gräf – Feines Reiten auf motivierten Pferden

Uta Gräf Ausbilderin Dressurreiterin

Bild: Friederike Heidenhof

Uta Gräf ist international erfolgreiche Dressurreiterin und -ausbilderin. Für sie steht nicht allein die Ausbildung des Pferdes als Reitpferd im Mittelpunkt. Wer Uta Gräf kennt und sich schon ein wenig mit ihrer Arbeit befasst hat, der weiß, dass die artgerechte Haltung der Pferde eine sehr wichtige Rolle spielt. Die reiterliche Ausbildung und die Pferdehaltung sind die beiden Säulen, die das Konzept für eine erfolgreiche Ausbildung des Pferdes tragen. Hierbei spielt es auch keine Rolle, ob es sich um ein Pferd auf dem Weg zum Grand Prix handelt oder um eines für den versierten Freizeitreiter. Nur ein ausgeglichenes Pferd kann die Konzentration und Motivation für die reiterliche Arbeit mitbringen.

Ein gelungener Vortrag

Uta Gräf mit Pferd

Bild: Friederike Heidenhof

Wenn ihr die Gelegenheit habt, Uta Gräf live zu erleben und einen ihrer Vorträge zu hören, solltet ihr das unbedingt nutzen. In ihrem Vortrag auf dem Mercedes Benz Reiter Forum in Magdeburg über Feines Reiten hat sie viele hilfreiche Tipps gezeigt und erklärt, die jeder Reiter für die Ausbildung seines Pferdes anwenden kann. Dabei ging es um die Themen Dehnung, Durchlässigkeit, Lastaufnahme, Geraderichten und Schwungentwicklung. Sie hat die Übungen so erklärt, dass man sich wirklich gleich aufs Pferd setzen und hätte losreiten können. Tolle Videos mit Trainingsausschnitten haben ihren Vortrag begleitet und nicht nur Uta Gräf bei der Arbeit mit verschiedenen Pferden gezeigt, sondern auch einen Eindruck von dem Leben vermittelt, welches die Pferde bei ihr genießen dürfen.

Mein Lieblingstipp zum feinen Reiten von Uta Gräf

Ihr wisst, wie wichtig es ist, dem Pferd im Training Abwechslung zu bieten, es aufmerksam zu halten. Eine gute Übung dabei sind die Übergänge zwischen den Gangarten, aber auch innerhalb der Gangarten. Damit fördert ihr außerdem die Lastaufnahme mit der Hinterhand. Wenn ich meine Smilla im Schritt gelockert habe, indem ich Schlangenlinien in Dehnungshaltung reite, Zirkel, ganze Bahn, große Achten, beginne ich meist mit Hilfe von Seitengängen an der Gymnastizierung zu arbeiten: Schenkel weichen, Renvers, Travers. Dann beginne ich mit der Trabarbeit.

Seit ich den Vortrag von Uta Gräf gehört habe, baue ich zusätzlich Übergänge im Schritt ein. Sie zeigt in ihrem Vortrag, wie ich zwischen einer langen Zügelführung mit einem raumgreifenden Schritt und kürzerer Zügelführung mit kurzen, schnelleren Schritten variieren kann. Dabei ist es ein gutes Zeichen für die Losgelassenheit, wenn das Pferd immer wieder bereitwillig in die Dehnungshaltung findet. Achtet immer darauf, dass der Schritt nicht zu eilig wird, dann kann es schnell passieren, dass euer Pferd auf die Vorhand fällt.

Schritt-Trab-Übergänge

Die nun folgende Trabarbeit ist bei mir zunächst wieder vom Reiten auf gebogenen Linien geprägt. Das Ganze in Dehnungshaltung, gerne auch über Stangen. Nach und nach nehme ich Smilla dann vermehrt auf, achte aber immer darauf, dass sie schön an die Hand herantritt, der positive Spannungsbogen erhalten bleibt und sie locker schwingt. Dann beginne ich mit Trab-Schritt-Übergängen. Dabei reite ich immer nur ein, zwei Tritte Schritt und trabe gleich wieder an. Damit kann ich die Hinterhand schön wach machen. Und jetzt kommt wieder Uta Gräf ins Spiel. Denn sie hatte das Problem, dass sehr eifrige Pferde sehr schnell wissen was kommt und der Übung vorgreifen. Auch Smilla ist schlau und trabt dann schon mal an oder lässt den Übergang schwammig werden. Uta Gräfs Tipp: Übergänge variieren. Mal kann man den Übergang in den Schritt etwas auslaufend gestalten, mal eher versammelt. Dann kann ich die Übergänge auch aus dem Schulter vor, Renvers oder Travers reiten und fördere so zusätzlich die Lastaufnahme. Auch Uta Gräf plädiert zu nur wenigen Schritten Schritt bei dieser Übung, denn dann kann man den Schwung aus dem Durchparieren gleich wieder für das Antraben nutzen.

Dehnungsbereitschaft überprüfen

Sicherlich habt ihr euch auch schon das ein oder andere Mal dabei erwischt, dass ihr eine Übung bis zum Umfallen immer und immer wieder abspult. Dabei hat das Pferd es durchaus schon sehr gut gemeistert. Zügelt euch. Wenn das Pferd nach zwei, drei Abläufen gut mitgemacht hat, entlasst es in die Dehnungshaltung, lobt es, pariert durch. Wenn das Pferd die Dehnungshaltung gleich annimmt und sich schön auf Buggelenkshöhe an die Hand heran dehnt, habt ihr auch gleich einen Hinweis darauf, dass die Übung gut für euer Pferd war.

Ein gelungener Vortrag

Uta Gräf hatte natürlich noch viel mehr Tipps auf Lager. Ich kann euch also nur empfehlen, euch ihre Vorträge anzuhören. Ich bin beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder dabei. Der Abend beim Mercedes Benz Forum hat sich gelohnt. Ich danke Uta Gräf für diesen tollen Vortrag und für die Bilder, die sie mir für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat. Hier geht es zu ihrer Webseite: http://www.gutrothenkircherhof.de/, hier zu ihrer Facebookseite: https://www.facebook.com/Uta.Graef. Und wenn ihr mehr über das Mercedes Benz Reiter Forum wissen wollt, seit ihr hier richtig: Mercedes Benz Reiter Forum.

(Bilder von Friederike Heidenhof)

Eure

Pferdesachen-Blog Mareen