Mein Pferd Eindecken oder nicht eindecken und wie funktioniert eigentlich die Thermoregulation beim Pferd?

Es ist soweit. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen fallen langsam. Der Sommer verabschiedet sich und macht dem Herbst den Weg frei. Das ist die Zeit, in der wir Pferdebesitzer wieder anfangen, uns die Frage zu stellen, ob wir unsere Pferde eindecken sollen oder nicht. Um die richtige Antwort zu finden, sollten wir uns mit drei weiteren Fragen auseinandersetzen:

  1. Wie ist das Fell des Pferdes aufgebaut?
  2. Wie funktioniert die Thermoregulation meines Pferdes?
  3. Welchen Umwelteinflüssen ist mein Pferd ausgesetzt?

Die Zusammensetzung des Pferdefells

Pferdefell - eindecken nötig?

Dickes Winterfell

Das Fell unserer lieben Vierbeiner setzt sich aus mehreren Fellschichten zusammen. Die Oberhaare sind der Teil des Fells, den wir sehen. Sie geben dem Pferd seine Farbe und sind im Falle eines gesunden Pferdes glänzend. Die Oberhaare bilden den Haarstrich, also die Wuchsrichtung, und die Wirbel. Diese sorgen dafür, dass der Regen in Richtung Boden abgeleitet wird und die Haut vor Nässe, Verletzungen und anderen Umweltreizen geschützt wird.

Das Unterfell oder auch Wollhaar genannt, ist weich, sehr fein und kurz. Es unterstützt vor allem im Winter. Bei Kälte richten sich die kleinen Härchen auf. Somit entsteht eine Isolierschicht aus warmer Luft, die die Wärme am Körper hält.

Die Thermoregulation des Pferdes

Zunächst solltet ihr euch bewusstmachen, dass eure Pferde noch lange nicht frieren, wenn ihr bereits eure dicke Jacke und die lange Unterhose aus dem Schrank holt. Die Wohlfühltemperatur der Pferde liegt zwichen -10°C und +25°C. Allerdings unterliegt dies verschiedenen Voraussetzungen:

  • Keine Zugluft
  • Keine Nässe
  • Keine extreme Sonneneinstrahlung

und ist abhängig von der Luftfeuchtigkeit und dem Ernährungs- und Gesundheitszustand des Pferdes.

Doch was bedeutet Thermoregulation eigentlich?

Es ist die Fähigkeit eines Tieres seinen Wärmehaushalt in begrenztem Maße zu beeinflussen. In der Grafik seht ihr die verschiedenen Regulationszonen des Pferdes.

Thermoregulation Grafik

Die Thermoregulation – Eine Übersicht

Ihr seht hier die Temperaturbereiche des Pferdes zwischen Kältetod und Hitzetod. Zwischen diesen beiden Extremen befindet sich die Zone, in der das Pferd überlebensfähig ist. Die Zone, in der die Körpertemperatur konstant gehalten werden kann, nennt man auch Homeothermie (homeo=gleichbleibend, thermie=Temperatur). An der Linie „Körpertemperatur“ seht ihr, dass sie in diesem Bereich konstant ist. Die Wärmeerzeugung hingegen nimmt bis zur Behaglichkeitszone fortwährend ab, um dann innerhalb der Behaglichkeitszone konstant zu bleiben.

Im Bereich vor der Behaglichkeitszone unterliegt das Pferd dem Kältestress. Es muss vermehrt Wärme produzieren, um die Körpertemperatur konstant zu halten, das kostet Energie. Im Bereich des Hitzestresses gibt das Pferd Energie an die Umwelt ab. Vor der Hyperthermie seht ihr einen kleinen Temperaturabfall, folgend einen starken Anstieg und einen Anstieg der Wärmeproduktion. Das kommt zustande, weil das Pferd hier vermehrt Wärme produziert, um Energie freizusetzen. Deshalb der kurze Temperaturabfall, trotz der Wärmeproduktion. Der Kreislauf ist dadurch jedoch so überfordert, dass es im Schlimmsten Falle zum Hitzetod kommt.

Der Einflussfaktor Zugluft

Gerade, wenn eure Pferde zeitweise in einem Stall gehalten werden, müsst ihr euch Gedanken über das Thema Zugluft machen. Eine geringe Luftgeschwindigkeit hält selbst bei niedrigen Außentemperaturen den Körperwärmeverlust in Grenzen. Doch bei einer höheren Luftgeschwindigkeit wird die über den Pferdekörper strömende Luft zur thermischen Belastung. Je höher die Luftgeschwindigkeit und je niedriger die Temperaturen, desto höher ist der Abkühlungsreiz.

Die Gefahr an der Geschichte ist, dass Pferde erst ab einem bestimmten Schwellenwert der Auskühlung mit Abwehrmechanismen reagieren. Bei Zugluft wird dieser meist nicht erreicht und das betroffene Körperteil kühlt aus.

Eindecken als Schutz vor Nässe

Schutz vor Regen und Kälte

Kommt nun alles zusammen: Niedrige Temperaturen, Zugluft und ein vom Regen nasses Pferd, ist der Organismus auf jeden Fall belastet. Das Pferd wird sich nicht wohl fühlen und somit an Leistungsbereitschaft und Abwehrkräften verlieren.

Das Pferd Eindecken oder nicht?

Ihr seht, die eigenständige Regulationsfähigkeit des Pferdes ist stark von der körperlichen und gesundheitlichen Konstitution, den Umwelteinflüssen und natürlich der Haltung abhängig. Vergesst nicht, dass es Energie kostet, den Wärmehaushalt aufrecht zu erhalten.

Die Offenstallhaltung mit und ohne Winterdecke für das Pferd

Winterponys ohne Decke

Smilla und Isi genießen den Schnee

Wie habe ich es gehandhabt? Als meine Smilla auf dem Paddock-Trail stand, habe ich sie nicht eingedeckt. Sie hat ein wunderbar dichtes Zottelfell bekommen und konnte sich hervorragend gegen Nässe, Wind und Kälte schützen. Ich muss aber auch sagen, dass ich sie in der Zeit nicht allzu oft geritten bin, meine Ansprüche an ihre Leistung (unter dem Reiter) also nicht allzu hoch waren. Dabei hatte ich auch immer einen Blick auf ihren Futterzustand, der kontinuierlich sehr gut war.

Ihr Kumpel hingegen – er stand auch draußen auf dem Trail – hat es nicht so gut geschafft, die Energie für die Anpassung an die äußeren Bedingungen aufzubringen. Er hat in der kalten Jahreszeit schnell abgenommen und war auch in seiner Leistungsfähigkeit und vom Immunsytem her geschwächt. Nachdem seine Besitzerin ihm eine leichte Winterdecke (50 Gramm Fütterung) aufgelegt hat, hat er sich wieder wohler gefühlt, zugenommen und war auch wieder viel fitter.

Bei der Boxenhaltung lieber mit einer Regendecke für mein Pferd

Auf Grund eines Umzugs meinerseits, musste Smilla sich vom Trail verabschieden und zog nun wieder in eine Box. Tagsüber ist sie auf dem Paddock mit ihren neuen Kumpels, abends kommt sie rein. Wenn es trocken ist, sehe ich auch hier eigentlich nicht die Notwendigkeit, das Pferd einzudecken.

Doch nun kommen zwei Faktoren dazu: Ich reite sie wieder regelmäßig. Ein zu langes Winterfell lässt sie selbst bei leichter Arbeit schnell schwitzen. Ausschlaggebend für mich ist jedoch, dass sie im Herbst und Winter immer mal wieder nass regnen wird. Dann kommt sie nass in den Stall und kann sich dort nicht, wie im Offenstall, gegen die nasse Kälte im Schritt bewegen. Meist kann man in einem Stall Zugluft nicht ganz vermeiden. Sie wird sich anspannen und frieren, denn dadurch produziert sie ja wieder Wärme. Wenn sie nicht schnell genug trocknet, besteht die Möglichkeit einer Erkältung. Und auch wenn dies nicht so ist, verspannt sich ihre Muskulatur bei dem Versuch, Wärme zu produzieren. Dies ist kontraproduktiv, wenn wir daran denken, dass ich sie reiten möchte. Denn mein Ziel ist ja ein entspanntes, losgelassenes Reitpferd.

Eindecken - die richtige Decke

Deckenanprobe in Vorbereitung auf den Winter

Ich werde Smilla in diesem Jahr also mit einer Regendecke (50 Gramm Fütterung) eindecken. Ab wann? Ich beobachte einfach ihr Verhalten und natürlich die Witterungsbedingungen. So habe ich ein trockenes Pferd, dass im Stall nicht friert und ein entspanntes Reitpferd, dessen Muskulatur nicht zu sehr ausgekühlt ist. Ich habe noch eine Bucas Freedom Turnout Light* , die ich sehr empfehlen kann und werde in diesem Jahr auch mal die Decke Heaven von Felix Bühler* ausprobieren.

Es ist immer ein Kompromiss. Wir müssen bedenken, wie wir unser Pferd nutzen, wie wir es halten und wie die gesundheitliche Konstitution ist. Danach müssen wir entscheiden, ob wir eine Regendecke bzw. Winterdecke für unser Pferd benötigen oder nicht.

Wenn ihr noch mehr lesen wollt, empfehle ich euch den Beitrag auf pferdialog.de: Thermoregulation – das häufig missverstandene Thema.

In der Hoffnung, euch ein wenig bei der Entscheidung, ob euer Pferd eingedeckt werden soll oder nicht, geholfen zu haben…

Eure

Pferdesachen-Blog Mareen