Das Faszientraining ist für mich ein wichtiger Schlüssel, um Pferde beweglich zu machen. Werden die Faszien im Training nicht berücksichtigt, so kann ein Pferd häufig die abverlangte Lektion nicht zeigen. Es ist körperlich dazu nicht in der Lage.

Was sind Faszien?

Faszientraining - beulige Wasserflasche

Hat sich das Pferd falsche Bewegungsmuster angewöhnt, so kann der Muskel innerhalb der Faszien nicht richtig arbeiten. Korrekte Bewegungsabläufe sind so kaum möglich. Ist Faszientraining also wichtig?

Die Faszien umhüllen die Muskulatur und viele andere Teile des Körpers. Sie bilden quasi das zweite Skelett des Körpers. Allerdings sind Faszien nicht so beweglich wie die Muskulatur. Deshalb sollten wir das beim Training berücksichtigen.

Wir können uns das wie eine PET-Flasche vorstellen. Die Flasche stellt die Faszien dar und die Flüssigkeit in der Flasche die Muskulatur. Bewegt sich das Pferd korrekt und ist der Muskel gut ausgeprägt, so sind die umliegenden Faszien so geformt, dass der trainierte Muskel gut hinein passt.

Faszientraining - Volle Wasserflasche

Bei richtigen Bewegungsmustern kann der Muskel innerhalb der Faszien gut arbeiten.

Hat sich das Pferd (z. B. weil es schief ist) falsche Bewegungsmuster angewöhnt und ist dadurch unbeweglich geworden, so sind die Faszien an den nicht gut trainierten Muskel angepasst. Das ist vergleichbar mit einer verbeulten PET-Flasche. Um den Muskel korrekt aufzubauen und damit das Pferd beweglich zu machen, sollten wir gleichzeitig ein Faszientraining machen. Dadurch werden die Faszien wieder beweglich (bzw. die  PET-Flasche wieder ausgebeult). Nur so kann der Muskel korrekt arbeiten.

Warum ist Faszientraining so wichtig?

Häufig erleben wir es gerade bei Korrekturpferden, dass sie schnell wieder in alte Bewegungsmuster verfallen. Gerade nach einer längeren Pause (z. B. durch Verletzungen), wird die Beweglichkeit bei Korrekturpferden schnell wieder schlechter. Bei von klein auf gut gearbeiteten Pferden ist nach einer längeren Pause kaum ein Unterschied in der Bewegungsqualität zu erkennen.

Faszientraining

Beim Faszientraining unterstützen wir die Pferde darin, ihre Faszien umzuformen, sodass die Muskulatur gut arbeiten kann. Je länger das Pferd falsche Bewegungsmuster verfolgt hat, desto mehr sollten wir das Pferd mit Faszientraining unterstützen.

Der Grund dafür sind die Faszien. Während die Muskulatur einige Wochen braucht, um sich aufzubauen, brauchen die Faszien bis zu zwei Jahre, um in der neuen Form zu bleiben. Auch dies ist vergleichbar mit einer PET-Flasche: ist sie noch neu und wird dort Wasser (=Muskulatur) hinein gefüllt, so muss keine Arbeit aufgewendet werden, um die Flasche (=Faszien) umzuformen. Ist aber die Flasche (=Faszien) verbeult, so muss das Wasser (=Muskulatur) viel Arbeit aufwenden, um die Flasche wieder in die neue Form umzuwandeln.

Je länger die Faszien in einer Form bleiben, desto mehr streben sie es an, in dieser Form zu bleiben. Auch bei einer verbeulten Wasserflasche kommen einige Beulen wieder, sobald wir das Wasser ausgießen. Erst wenn das Wasser eine längere Zeit in der Flasche ist, bleibt die Flasche wieder in ihrer Form, auch wenn das Wasser entweicht.

Mit dem Faszientraining regen wir die Faszien dazu an, der Muskulatur Platz zu geben, um sich richtig dehnen zu können. Das können wir uns vorstellen wie unsere Hände, die die Flasche in die richtige Form drücken, damit mehr Wasser herein passt. Hier setzt unser Faszientraining an, um die Pferde beweglicher zu machen.

Wie kann ein Faszientraining aussehen?

Wollen wir Pferde beweglicher machen, so gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Faszien zu trainieren:

  • Massage (Faszienmassage oder auch „einfach“ richtig putzen)
  • Dehnungsübungen (aktiv oder passiv)
  • vielseitiges Training (Vorhandwendungen, Hinterhandwendungen, Stangentraining, Ausreiten im Wald oder über Hügel)

Jede Form des Faszientrainings hilft, alte Bewegungsmuster zu durchbrechen. Hierbei werden die Faszien gelockert und dadurch die Beweglichkeit der Muskulatur erhöht. Durch Faszientraining kann in kurzer Zeit die Beweglichkeit deutlich erhöht werden. Allerdings benötigt es bis zu zwei Jahre, bis diese neue Beweglichkeit in den Bewegungsmustern der Pferde abgespeichert und automatisiert wird.

Daher ist es wichtig, Pferde im Training sinnvoll zu gymnastizieren. Gerade bei Korrekturpferden sollte das Training abwechslungsreich sein, um die Faszien regelmäßig zu lockern. Dabei müssen wir jedoch unbedingt darauf achten, die Pferde nicht zu überfordern. In jedem Fall sollte individuell bei jedem Pferd entschieden werden, was es im Training leisten kann.

In meinem nächsten Beiträgen lest ihr, worauf ihr bei den verschiedenen Methoden des Faszientrainings achten solltet.

Bis dahin 🙂

Pferdige Grüße

Judith