Durch Zufall bin ich heute auf den Artikel in der pferderevue Das österreichische Pferdemagazin von Klaus Balkenhol über pferdegerechte Ausbildung gestoßen.

Hier der Link zum Artikel: „Zu früh, zu viel: Warum Trainer ihren Pferden oft nicht mehr die nötige Zeit geben“

Zunächst möchte ich betonen, dass ich das unterstütze, was Klaus Balkenhol hier schreibt. Zu den „sechs Kardinalfehlern in der Pferdeausbildung“, wie er sie hier beschreibt mache ich mir folgende Gedanken…

Am besten ihr lest pararllel den Artikel mit.

„Zu enge Nasenriemen“

Ich finde es einfach nur logisch, was er schreibt. Nämlich dass das Pferd zeigt, wenn etwas nicht passt, etwas wehtut oder verspannt ist. Es sperrt das Maul oder streckt die Zunge heraus. Dem mit zuschnallen zu begegnen, ist völlig falsch und unlogisch. Treten diese Zeichen auf, sollte ich auf Ursachenforschung gehen. Wenn das Pferd entspannt ist und eine solide Grundausbildung genossen hat, dann sperrt es nicht und hält auch nicht die Zunge raus.

Wie der Nasenriemen verschnallt werden soll, steht in der H. dV. 12 unter Kapitel 6 „Sattelung und Zäumung“ „Zäumung und Trense“. Wer es moderner möchte: In den „Richtlinien für Reiten und Fahren Band 1“ steht es unter Kapitel 2.2 „Die Ausrüstung des Pferdes“ in dem Textabschnitt zum Reithalfter. Es ist also kein Geheimnis, wie es geht.

Ich finde es traurig, dass die Pferdenasen nicht nur von Leuten zugeschnürt werden, die vermutlich keinen Sachverstand haben, sondern es oft auch von Trainern und von als Richter für die FN aktiven Trainern, so praktiziert wird.

Die Trainer, die ich kenne, die dies richtig praktizieren, haben sich meist der „FN-Reitlehre“ abgewand. Obwohl sie nichts anderes unterrichten, als das worauf die „FN-Reiterei“ basiert: Die Klassische Reitlehre.

Zu frühe Spezialisierung

Auch hier völlig meiner Meinung – die vielseitige Ausbildung des jungen Pferdes. Aber heute muss ja alles schnell gehen, damit man schnell Geld mit der Nachzucht verdienen kann und so wenig, wie möglich investiert. Wenn die Ausbilder ihrer Verantwortung nachkommen würden, so wie es die Verantwortung geziemt, die wir ALLE haben, wenn wir mit dem Flucht-, Herden- und Lauftier Pferd arbeiten, dann würde es so einen Markt gar nicht geben. Dann könnte man mit anständig und gesund ausgebildeten Pferden gute Preise erwirtschaften und der Käufer hätte einen Partner fürs Leben, der nicht mit 10 Jahren schon in Rente geschickt wird. Ja, vielleicht kann sich dann nicht mehr JEDER ein Pferd leisten. Andersrum muss man sich aber auch nicht so oft ein neues kaufen. Wenn das Pferd 30 Jahre als dein treuer Partner an deiner Seite steht, dann lohnt sich doch eine hohe Anfangsinvestition auch.

Schlecht passende Ausrüstung

Wie oft sehe ich bei Ausbildern, dass ein Sattel für mehrere Pferde genutzt wird. Das kann doch gar nicht gehen! Selbst wenn zwei Pferde sich in der Anatomie sehr ähnlich sind, ist es wahrscheinlich, dass sie sich nicht beide gleichermaßen schnell entwickeln. Und schon allein deshalb, kann ein Sattel nicht auf mehrere Pferde passen. Wenn der Sattel aber nicht passt und dem Pferd im Rücken oder auf der Schulter drückt, kann es nicht losgelassen gehen. Es wird sich verspannen, die Losgelassenheit leidet. Eigentlich sollte das jemand, der sich als Trainer intensiv mit Physiologie und Psychologie des Pferdes beschäftigt hat, wissen. Aber bilden sich wirklich alle regelmäßig fort, beschäftigen sich mit Erkenntnissen rund ums Pferd? Oder setzen sie doch lieber aus Stolz oder Bequemlichkeit auf ihre jahrelange Erfahrung?

Erfahrung ist sehr wichtig! Aber es muss die richtige sein!

Zu lange Trainingseinheiten, angespannter Reiter und zu wenig Lob

Ich beobachte es immer wieder aber ich muss mich auch an meine eigene Nase fassen. Wie oft versteifen wir uns beim Reiten in Lektionen oder Übungen und vergessen einfach mal kurz eine Pause einzulegen? Auch ich muss mich disziplinieren, mich nicht festzubeißen. Zügel aus der Hand kauen lassen, vielleicht auch einfach mal kurz am hingegebenen Zügel stehen bleiben, durchatmen, LOBEN!!!! und dann geht es mit neuem Elan viel entspannter weiter.

Wenn ich mich selber nicht entspannen kann, weil der Tag einfach zu verrückt war, dann kann ich das auch nicht von meinem Pferd verlangen. Denn es spürt genau, was los ist und wird sich ebenfalls verspannen. Also immer schön locker bleiben 😉

Ja und das liebe Lob. Wer sich intensiv mit der Ausbildung von Pferden beschäftigt, wird merken, dass es sich im Grunde um Konditionierung handelt. Ich gebe dem Pferd ein Zeichen, zB. Druck mit dem Schenkel. Wenn das Pferd richtig reagiert, lasse ich den Druck sofort nach und lobe das Pferd. Dieses speichert für sich durch viele Wiederholungen einzelner Übungen ab, was jeweils die richtige Reaktion ist. Strafe wirkt nur negativ und sollte nicht Teil der Ausbildung sein. Positives Verhalten wird gelobt, negatives kommentarlos beendet. Dafür braucht man allerdings Zeit und Geduld… etwas was oft unterschätzt wird.

 

So… ihr Lieben… Gedanken, die ich unbedingt loswerden wollte…, vielleicht auch hier und da etwas frustriert, ich gebe es zu. Was ist eure Erfahrung zu diesen Themen?