November 14, 2023
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Voltigieren - Turnkunst zu Pferd

Wenn man an den Reitsport denkt, da kommt sofort das typische Bild in den Kopf, wo Pferde über Hindernisse springen oder durch ein Viereck tanzen. Voltigieren ist da eher wie ein buntes Pferd im Stall.

Wenn man an den Reitsport denkt, da kommt sofort das typische Bild in den Kopf, wo Pferde über Hindernisse springen oder durch ein Viereck tanzen. Voltigieren ist da eher wie ein buntes Pferd im Stall. Voltigieren beweist, dass Pferdesport auch anders geht und über das klassische Reiten hinausgeht.

Voltigieren - Turnkunst zu Pferd

Woher stammt das Voltigieren?

Voltigieren, eine Kombination aus Reiten und Akrobatik, hat seine Wurzeln in der Kavallerie. Ursprünglich diente es der Schulung von Gleichgewicht, Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer der Soldaten. Diese Praxis lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Damals war Voltigieren eine Männerdomäne, die komplexe akrobatische Übungen auf dem Pferd umfasste, wie Jonglieren und Weitsprünge über mehrere Pferderücken. Im 17. und 18. Jahrhundert stieg die Bedeutung des Voltigierens an Ritterakademien. Lehrbücher wurden verfasst, was die Wichtigkeit dieser Kunstform für die damalige Elite unterstreicht.

Heute ist Voltigieren ein moderner Pferdesport, der seit den 1950er Jahren populär ist. Es war sogar 1920 in Antwerpen als Kunstreiten olympisch. Diese Entwicklung zeigt, wie Voltigieren von einer militärischen Übung zu einem anerkannten Sport transformiert wurde. Es kombiniert Geschick, Kraft und Teamarbeit zwischen Reiter und Pferd und wird in verschiedenen Disziplinen und auf verschiedenen Leistungsniveaus praktiziert.

Voltigieren - Was gehört dazu? 

Es ist ein Sport, der nicht nur Geschicklichkeit und Körperbeherrschung erfordert, sondern auch eine enge Verbindung zwischen Reiter und Pferd. 

Das Pferd, ein speziell ausgebildetes Voltigierpferd, galoppiert an einer Longe, geführt von einer Person, im Kreis. Volti-Pferde haben auch verschiedene Kriterien zu erfüllen, denn nicht jedes Pferd ist dafür geeignet. Ein ideales Voltigierpferd zeichnet sich durch sein ruhiges, gutmütiges und geduldiges Wesen aus. Es muss ausdauernd sein und eine gleichmäßige, schwungvolle Galoppade bieten, um die Übungen des Voltigierers zu unterstützen. Für Wettkämpfe wird ein Mindestalter von sechs oder sieben Jahren verlangt. Körperlich sollte das Pferd einen breiten, flachen Rücken, eine breite Kruppe, einen moderaten Widerrist, einen breiten Brustkorb und kräftige Beine besitzen. Die meisten Voltigierpferde sind zwischen 1,70 m und 1,85 m groß. 

Der Voltigierer führt auf dem Rücken des Pferdes verschiedene gymnastische Figuren aus, während das Pferd ein spezielles Kissen und einen Gurt mit Griffen trägt, um Halt zu bieten.

Diese Ausrüstung beim Voltigieren ist wichtig, um Sicherheit und Komfort zu gewährleisten. Die Voltigierkleidung sollte eng anliegen, um ein Hängenbleiben am Pferd zu vermeiden. Speziell gefertigte Voltigieranzüge sind dabei ideal. Auch das Schuhwerk ist entscheidend: Turnschläppchen mit griffigen Sohlen sind empfohlen, da sie einen guten Halt auf dem Pferderücken bieten und das Pferd nicht verletzen.

Vor dem Voltigieren sollten Haare straff zusammengebunden und Schmuck abgelegt werden, um Verletzungen zu vermeiden. Voltigieren wird ohne herkömmliche Sicherheitsausrüstung wie Helme oder Sicherheitswesten betrieben, da diese eher ein Risiko darstellen, im Falle eines Sturzes hängenzubleiben. Voltigierer lernen, sich bei einem Sturz abzurollen oder mit einer Drehung zu landen.

Disziplinen und Turniere

Im Voltigieren gibt es verschiedene Disziplinen: Einzel-, Doppel- und Gruppenvoltigieren. Beim Einzelvoltigieren treten Damen und Herren getrennt an, während im Doppelvoltigieren zwei Voltigierer, unabhängig vom Geschlecht, gemeinsam antreten. Gruppen können je nach Wettbewerb aus sechs oder acht Voltigierern bestehen, wobei maximal drei gleichzeitig auf dem Pferd sein dürfen.

Die Wettkämpfe beinhalten verschiedene Elemente: Pflicht, Kür und manchmal ein Technikprogramm. Im Doppelvoltigieren besteht der Wettbewerb entweder nur aus einer Kür oder aus einer Kombination aus Pflicht und Kür. Bei Gruppenprüfungen werden Pflicht und Kür gezeigt, und in den Einzelprüfungen kann zusätzlich ein Technikprogramm vorkommen.

Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 das beste Ergebnis darstellt. Bewertet werden Pflichtübungen, Technik, Kür und der Gesamteindruck. Für Gruppenvorführungen wird eine Gesamtnote aus den Einzelnoten aller Voltigierer berechnet. Die Technikbewertung umfasst Gestaltung, Ausführung und verschiedene Technikelemente. In der Kür werden Gestaltung, Ausführung und Schwierigkeitsgrad bewertet. Der Gesamteindruck berücksichtigt auch Faktoren wie Ein- und Auslaufen, Grußaufstellung und die Aufmachung der Gruppe.

Die Noten werden addiert und durch die Anzahl der Voltigierer dividiert. Dabei gibt es je nach Leistungsklasse verschiedene Multiplikatoren. Diese komplexe Bewertungsmethode erfordert von den Voltigierern Genauigkeit und Gleichgewicht, während das Pferd gehorsam die Signale des Longenführers umsetzen und ruhig bleiben muss, selbst wenn mehrere Voltigierer auf seinem Rücken sind.

Volti oder doch eher Reiten?

Das eine schließt das andere nicht aus, denn viele Reiter voltigieren auch, oder andersrum. Beides kann sich gegenseitig unterstützen: Voltigieren, das Turnen auf dem Pferd, fördert Flexibilität und Balance, was wiederum das Reiten verbessern kann. Durch Voltigieren lernt man, mit dem Pferd in einer anderen Art und Weise zu kommunizieren und es zu verstehen. Dieses Verständnis kann die Reitfähigkeiten positiv beeinflussen.

Beim Reiten steht die direkte Kontrolle und Führung des Pferdes im Vordergrund. Man lernt, wie man das Pferd durch Zügel und Körperhaltung lenkt. Dies erfordert ein tiefes Verständnis für das Tier und seine Bewegungen. Voltigieren hingegen erfordert eine hohe Körperkontrolle und ein starkes Vertrauen in das Pferd. Man muss lernen, sich mit dem Rhythmus des Pferdes zu bewegen und dabei komplexe Übungen auszuführen.

Diese unterschiedlichen Herangehensweisen ergänzen sich. Durch Voltigieren entwickelte Fähigkeiten wie Körperbewusstsein und Balance sind auch beim Reiten von Vorteil. Umgekehrt kann das Reiten einem Voltigierer helfen, ein besseres Gespür für das Pferd zu bekommen und seine Bewegungen besser zu verstehen.

Beide Sportarten bieten zudem psychologische und physische Vorteile. Sie fördern das Selbstvertrauen, die Konzentration und die allgemeine Fitness. Auch die sozialen Aspekte sollten nicht unterschätzt werden, denn sowohl Reiten als auch Voltigieren werden oft in Gemeinschaften praktiziert, was den Teamgeist und die sozialen Fähigkeiten stärkt.

Unser Fazit

Voltigieren bietet eine einzigartige Möglichkeit, neue Freunde zu finden und sich sportlich zu betätigen, besonders für diejenigen, die Turnen lieben und nach einer neuen Herausforderung suchen. Diese Sportart verbindet die Eleganz und Disziplin des Turnens mit der Faszination des Reitsports, wodurch sie eine interessante Alternative bietet. In der Gemeinschaft von Voltigierern und Reitern entwickeln sich oft starke soziale Bindungen, da Teamarbeit und Vertrauen zentrale Elemente sind. Das gemeinsame Training, die Vorbereitung auf Wettkämpfe und die Freude am Umgang mit den Pferden schaffen eine Atmosphäre, in der Freundschaften leicht entstehen können. Voltigieren ist somit nicht nur ein Weg, um sportlich aktiv zu sein, sondern auch eine Plattform, um Gleichgesinnte zu treffen und gemeinsam Spaß zu haben.

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