Viele von euch wissen sicher grundlegend, was es mit der Rückenmuskulatur des Pferdes auf sich hat und dass Rückentraining für dein Pferd wichtig ist. Euch ist klar, der Rücken muss entspannt sein, damit sich das Pferd losgelassen und locker im Takt bewegen kann. Doch damit der Rücken des Pferdes auch entspannt bleibt, wenn das Reitergewicht in den Sattel kommt, muss das Pferd lernen, den Rücken trotz zusätzlichem Gewicht aufzuwölben. Das Rückentraining ist für die Pferde also elementarer Bestandteil der Ausbildung. In diesem Artikel möchte ich euch zeigen, was eigentlich mit einem Pferd passiert, wenn sich das erste Mal ein Reiter drauf setzt und warum das Reiten in Dehnungshaltung, also vorwärts-abwärts, so wichtig ist.

Die Reaktion des Pferderückens auf Gewicht

reitergewicht wirkung zeichnung

Auf dieser Zeichnung (ich bin kein großer Künstler 😉 ) seht ihr den Unterschied zwischen der natürlichen Haltung des Pferdes, dem was passiert, wenn das noch nicht bekannte Reitergewicht auf den Rücken einwirkt und der durchlässigen, aufgerichteten Haltung mit Reiter. Grau ist hierbei die natürliche Haltung des Pferdes, rot, die Haltung mit unbekanntem Reitergewicht und grün die durchlässige, aufgerichtete Haltung. Bei der grauen Zeichnung seht ihr, dass das Pferd den Rücken aufgewölbt hat. Die Beine befinden sich schwerpunktmäßig unter dem Körper. Setzt sich nun ein Reiter auf ein junges Pferd, welches noch nicht gelernt hat, richtig zu tragen, senkt sich der Rücken ab (rote Zeichnung). Das Pferd versucht sich wieder ins Gleichgewicht zu bringen und stellt die Beine nach hinten und vorne heraus und hebt den Kopf an. Der Bauchmuskel dehnt sich. Die Aufgabe des Reiters ist es nun, das Pferd dazu zu bringen, den Rücken wieder aufzuwölben und die Gliedmaßen unter den Schwerpunkt zu bringen.

Der lange Rückenmuskel

Muskulatur Pferd

Das Wichtigste ist, zu verstehen, dass der lange Rückenmuskel kein tragender Muskel ist, sondern ein Bewegungsmuskel. Durch die Verbindung zum breiten Rückenmuskel hat der lange Rückenmuskel des Pferdes Verbindung zur Vorhand. Die Verbindung zum Kruppenmuskel ermöglicht die Verbindung zur Hinterhand. Er sorgt also zum einen für die Aufwärtswölbung der Wirbelsäule und dient zum anderen der Übertragung der Bewegung von hinten nach vorne. Nur wenn der lange Rückenmuskel elastisch schwingen kann, ist eine taktmäßige, schwungvolle Bewegung möglich.

Der Bauchmuskel

Der gerade Bauchmuskel ist der Antagonist, also der Gegenspieler zum langen Rückenmuskel. Durch Anspannung des Bauchmuskels wird der lange Rückenmuskel beim Aufwölben der Wirbelsäule unterstützt. Diese Anspannung passiert automatisch, wenn sich ein Reiter auf den Rücken des Pferdes setzt. Denn durch das Absenken der Wirbelsäule, wird der Bauchmuskel gedehnt. Als Reaktion darauf versucht er sich wieder zusammenzuziehen und somit die Wirbelsäule wieder naturgemäß aufzuwölben.

Vorwärts-Abwärts als Rückentraining für dein Pferd

Doch wie bringst du nun dein Pferd dazu, den Rücken aufzuwölben? Wie du oben im Bild gesehen hast, fällt das (unerfahrene) Pferd auseinander, wenn sich ein Reiter drauf setzt. Die Vorder- und Hinterbeine werden weiter nach vorne und hinten gestellt, der Hals und Schweif angehoben, um das neue Gewichtsverhältnis auszugleichen. Als Reiter bist du nun gefordert diese Stellung zu korrigieren. Die Gliedmaßen müssen wieder unter den Schwerpunkt gebracht werden.

 

Pferd in DehnungshaltungAls Rückentraining für dein Pferd solltest du also immer als Ziel haben, das Pferd vorwärts-abwärts reiten zu können. Das bedeutet, dass du das Pferd mit den vortreibenden Schenkelhilfen annimierst, mit der Hinterhand weiter vorzutreten. Gerade das junge Pferd wird natürlich nicht sofort den Hals fallen lassen und in Dehnungshaltung über den Platz schweben ;-). Deshalb ist es wichtig, dass du gleich zu Beginn eine leichte, stetige, ruhige aber dynamische Verbindung zum Pferdemaul aufbaust. Es ist wichtig, dass dein Zügel nicht schlackert, denn dadurch bekommt das Pferd immer wieder unangenehme Schläge ins Maul.

Durch die taktmäßige Vorwärtsbewegung, die du mit dem Schenkel von deinem Pferd forderst und die stetige weiche Anlehnung wird das Pferd mehr und mehr Dehnungsbereitschaft zeigen. Es lernt dem Gebiss zu vertrauen und tritt vertrauensvoll an die Hand des Reiters heran. Nach und nach kannst du die Zügel langsam etwas länger lassen. Achte dabei immer darauf, dass das Pferd der nachlassenden Hand folgt und die Anlehnung erhalten bleibt. Hebt sich dein Pferd aus der Anlehnung heraus, was mit Sicherheit passiert, dann folge der Bewegung des Pferdes mit der Hand. Die Zügel dann aufwendig nachzufassen, bringt häufig Unruhe am Gebiss. Folge mit deiner Hand aus dem Ellbogen heraus der Bewegung. Für den Moment ist eine breitere oder höhere Zügelführung völlig legitim. Das Pferd wird sich schnell wieder vertrauensvoll an deine Hand herandehnen und du kannst sie wieder an ihren eigentlichen Platz zurückführen.

Achtung! Rückentraining für dein Pferd ist anstrengend.

Aber vergiss nicht! Das Arbeiten in Dehnungshaltung ist zwar gutes Rückentraining für dein Pferd, aber auch sehr anstrengend. Gerade bei jungen Pferden solltest du generell auf angemessene Trainingseinheiten achten. Bei älteren trainierteren Pferden bietet sich der Wechsel zwischen der Arbeit in Dehnungshaltung, versammelter Arbeit und entspannten Schrittpausen an. Bringe auch immer wieder Abwechslung in den Trainingsalltag. Reite über Stangen oder Cavalettis, sowohl im Schritt, als auch im Trab. Longiere dein Pferd und achte auch hier auf ein schwungvolles Vorwärts und einen aufgewölbten Rücken. Traue dich mit erfahrenen Begleitpferden ruhig auch ins Gelände, denn hier wird dein Pferd aufmerksamer und frischer vorantreten.

Smilla SonnenblickIch hoffe, ich konnte mit dem Artikel dem einen oder anderen zu mehr Verständnis verhelfen, warum das vorwärts-abwärts reiten wirklich ein wichtiges Element der Pferdeausbildung ist. Auch ich arbeite mit meiner Smilla immer wieder an der Dehnungshaltung, da sie sich gerne in einer Position feststellt und dann nicht mehr über den Rücken schwingend an die Hand herantritt. Das fühlt sich zwar „leicht“ auf dem Gebiss an, ist aber trügerisch, da das Pferd nicht über den Rücken schwingt, in der Hinterhand zu kurz tritt und die Last auf die Vorhand bekommt. Verspannungen vorprogrammiert.

 

Pferdige Grüße

 

Pferdesachen-Blog Mareen